Klima-Infos –
Die Bekämpfung des Klimawandels

Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung im Interview mit geoscience.de

»Der Klimaschutz erfordert eine drastische Reduktion unserer Emissionen bei weltweit steigendem Energiebedarf. Dies bedeutet nichts anderes als die Umstellung auf ein anderes Energiesystem in den kommenden fünfzig Jahren: wesentlich höhere Energieeffizienz, wesentlich mehr erneuerbare Energien. Die Ökonomen streiten sich, was dies kosten würde. Mein Eindruck ist, dass hier der Erfindungsreichtum der Menschen oft unterschätzt wird. Optimistischere Studien kommen zu dem Schluss, dass wir nur einen winzigen Bruchteil des Bruttosozialprodukts aufwenden müssten, um den Klimawandel zu stoppen - in den ersten Jahrzehnten kann man durch die Effizienzsteigerungen sogar Geld verdienen. Gerade für Deutschland eröffnen sich bei den erforderlichen Technologien ökonomische Chancen. Wie bei jeder Umstellung wird es natürlich auch einige Verlierer geben - deren heftige Lobbytätigkeit gegen Klimaschutz ist ja bereits zu beobachten.«

 

Das Kyoto-Protokoll

Im sog. Kyoto-Protokoll wurde eine Minderung der weltweiten Treibhausgasemissionen um mindestens 5,2% bis 2012 gegenüber dem Basisjahr 1990 vereinbart. Hierbei wurden nur die industrialisierten Länder zu einer Reduktion verpflichtet. Den nicht-industrialisierten Ländern wurde eine weitere Erhöhung zugestanden, um ihnen eine wirtschaftliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Auf die Staaten der EU entfällt eine Minderung von 8%. Deutschland hat im Rahmen dieser Vereinbarung die Verpflichtung übernommen, seine Treibhausgasemissionen um 21% bis zum selben Zeitpunkt zu reduzieren.

Im Kyoto-Protokoll wurde eine Anzahl von sechs Spurengasen festgelegt, deren Emission es zu mindern gilt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über diese Treibhausgase.

TreibhausgasRelatives Treibhaus- potenzialvorindu- strieller Atmo- sphären- anteil Atmo- sphären- anteil 1998Lebensdauer in der Atmosphäre (Jahre)Anthropogene Ursachen
Kohlendioxid (CO2) 1 280 ppm 365 ppm 5 - 200 Verwendung fossiler Brennstoffe, Waldrodung
Methan (CH4) 21 700 ppb 1.745 ppb 8,4 - 12 Landwirtschaft, Verwendung fossiler Brennstoffe, Abfallwirtschaft
Distickstoffoxid (N2O) 310 270 ppb 314 ppb 114 - 120 Landwirtschaft, Verwendung fossiler Brennstoffe, Verkehrsabgase
Halogenierte Fluorkohlen- wasserstoffe (H-FKW) 140 - 11.700 0 268 ppt 0,3 - 260 Herstellung von Produkten und Produktbestand- teilen
Perfluorierte Kohlenwasser- stoffe (FKW) 6.500 - 9.200 0 14 ppt 1.000 - > 10.000
Schwefelhexal- fluorid (SF6) 23.900     3.200

Tabelle 1: Die sechs Spurengase des Kyoto-Protokolls
Quelle: [IPCC, 2007], [Kyoto Protocol, 1997], [Latif, 2007:49ff], [UNFCCC, 2007]

 

Das relative Treibhauspotential drückt hierbei aus, inwieweit das jeweilige Spurengas zum oben beschriebenen Treibhauseffekt beiträgt. So hat z.B. Methan eine 21-fach höhere Wirkung als Kohlendioxid, dies bedeutet, dass 1 Tonne Methan dieselbe Klimawirkung hat wie 21 Tonnen Kohlendioxid. Die oben angegebenen Werte beziehen sich hierbei auf einen Zeitraum von hundert Jahren. Die sechs verschiedenen Treibhausgase werden oft anhand des relativen Treibhauspotentials gemessen am Kohlendioxid zusammen gerechnet und deren Menge in CO2-Äquivalenten (CO2-äq) angeben.

Im Jahre 2003 betrugen die weltweiten CO2-Emissionen 34,57 Milliarden Tonnen (Mrd. t) CO2-äq. Deutschlands Anteil hierbei betrug mit 1,01 Mrd. t CO2-äq rund 2,92%. Es wird ein Anstieg der weltweiten Emissionen vorhergesagt, vor allem aufgrund starken Wirtschaftswachstums einiger Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Südafrika.

Gegenüber vorindustriellem Niveau ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre um 34% auf 381 ppm im Jahre 2005 gestiegen. In Deutschland und weltweit ist mit über 80% der überwiegende Teil der Treibhausgasemissionen auf Kohlendioxid- Emissionen durch die Erzeugung und Verwendung von Energie (Strom, Wärme, Verkehr) zurückzuführen. Aus diesem Grund setzt auch die Mehrheit der Maßnahmen in diesem Bereich an.

Reduktionsziele

Die Verhandlungen über eine weitere Reduzierung nach 2012 werden derzeit geführt und sollen bis 2009 abgeschlossen sein. Die Europäische Union hat beschlossen, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20% zu reduzieren. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat im April 2007 einen 8-Punkte-Plan zur Senkung der CO2-Minderung um 40% bis 2020 vorgelegt. Zur Realisierung dieser Ziele sind neben nationalen Maßnahmen auch Maßnahmen auf der Ebene von Ländern und Kommunen nötig.

Gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW